Freitagabend in der Leopoldstadt.
In den Seitenstraßen der Praterstraße versammeln sich
Männer in schwarzen Mänteln und Frauen in langen Röcken
in ihren ultraorthodoxen Bethäusern. Aber nur wenige hundert
Meter entfernt trifft sich eine ganz andere Gruppe von Wiener
Juden zum Gottesdienst. Es ist ein buntes Bild, das sich im weißgetünchten
Hauptraum der kleinen Synagoge bietet. Männer und Frauen
sitzen zusammen. Ein Gemeindemitglied – ein Mann oder eine
Frau – führt durch den Gottesdienst, bei dem gemeinsam
gesungen, gebetet und gelesen wird – meist auf Hebräisch,
aber zum Teil auch auf Deutsch und Englisch. Ein Klavierspieler
gibt die Melodien vor, und für alle, die sich im Gebetbuch
nicht so gut auskennen, werden die Seitenzahlen regelmäßig
angesagt, damit auch wirklich alle mitbeten können. Es ist
eine offene, tolerante, multikulturelle Stimmung, die sich auch
dadurch ausdrückt, dass an vielen Gottesdiensten auch nicht-jüdische
Gäste teilnehmen, die diese andere Religion kennenlernen
wollen oder sich auch ganz konkret für den jüdischen
Glauben interessieren.
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